Hallo und moin, moin,

  
 

Mein Name ist Karl-Wilhelm Jipp.

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Diese wurde von meinem Sohn Stephan zu meinem 60. Geburtstag, am 28.April 2001, erstellt

und zuletzt im März 2011 aktualisiert.

Rechtlicher Hinweis: Urteil LG Hamburg v. 12.05.1998, Az. 312 0 85/98

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Selent, am Selenter See, ist mein Heimatort.

 

Wissenswertes über Selent:

Den nachfolgenden Text möchte ich insbesondere unseren Neubürgern einmal zur Kenntnis geben. Er stammt aus dem Bildband „L(i)ebenswertes Selent“ des CDU Ortsverbandes Selent aus dem Jahre 1986, an dem ich mitgewirkt habe.

„Selent, eine spröde Schönheit   -   zugleich eine Einführung “

von Gerd Stolz *

Hier bietet die Landschaft keine exotischen Kulissen oder gar sich eilig ablösende Zusammenballungen technischer Höchstleistungen moderner Bauten, sie ist vielmehr ruhigeren Typs und eines gemütlichen Tempos. Wer sich den Blick für derartige Naturschönheiten bewahrt hat, erkennt die leichten Bodenwellen zum Silberspiegel des großen Wassers hinab gleiten, erkennt die verstreuten Baumgruppen, die hingehockten Buschreihen. Und über allem spannt sich die endlose Weite des offenen Himmels, grenzenlos.

Eingebettet in dieses Panorama zwischen Wasser und Ufer, Baum und Busch, Feld und Wald liegt das alte, uralte Dorf Selent, kein Ort der großen Touristenwerbung, aber ein stiller Platz, berührt von den Verkehrssträngen unserer autogenen Zeit und bedroht von einem gleichmacherischen Fortschritt.

Winter und Sommer, Frühling oder Herbst sind in diesem Ort in Gärten, auf Wiesen und Weiden noch wahrnehmbar, man riecht noch den Wind, der über das Wasser des Sees kommt. Der Dörfler kennt diese Vorzüge der Naturnähe, ist im Herzen stolz auf sie, hütet sich aber, diese Erkenntnis mitzuteilen.

Angelehnt an Land und Wasser liegt Selent mit dem Mittelpunkt seiner trutzigen Kirche unter dem gedrungenen Turm; überhöht wird der Ort von dem weißen, aufragenden Bau einer späten Burgenromantik. Das Ländliche überwiegt, die Stadt ist fern. Selent bewahrt sein Alter, ist ungeachtet mancher Wunden immer noch eine "heile Welt" - die Vergangenheit ist trotz mancher örtlicher Widersprüche ständig da, wenn auch nicht allgegenwärtig und stets wahrgenommen. 

Die Landschaft dieser Region ist das Ergebnis der letzten Eiszeit und des ihr unmittelbar folgenden gewaltigen Schmelz- und Geschiebevorganges. Vor ca. 20.000 Jahren war hier noch ein dicker, schmutziger Eispanzer von mehreren hundert Metern Stärke; die folgende Klimaveränderung hinterließ einen vielgestaltigen, abwechslungsreichen Landschaftstyp, dessen einer Teil, von besonderem Reiz, der Naturraum Selenter See ist.

Selent ist zwar alt, es hat aber keine aufregende Geschichte. Hier ist früher Siedlungsboden, Teil eines Landstriches, wo sich einst Slawen und Germanen begegneten und in Eintracht lebten. Die Slawen wanderten zu Beginn des 8. Jahrhunderts in dieses Gebiet ein, gründeten Burgen und legten zahlreiche Wohnplätze an.

Die Gründung Selents liegt jedoch später, fällt in die Zeit der deutschen Besiedelung Wagriens um 1150, als im Rahmen der Christianisierung und Kolonisierung die Bischöfe Vicelin (um 1085-1154) und Gerold (1155- 1163) in diesem Gebiet wirkten. Erstmalig urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1197, als Graf Adolf II. von Schauenburg das Patronatsrecht an der Kirche - der ältesten im nördlichen Wagrien - an den Bischof Dietrich von Lübeck abtrat.

Im Rahmen solcher Siedlungstätigkeit entwickelte sich ein ausgeprägtes, mehrstufiges Lehnwesen, das gegen Ende des Mittelalters vom Adel, einem in sich geschlossenen machtvollen Stand, als den Grundherren weitgehend bestimmt wurde.

So erwuchs "mit Beginn neuzeitlicher Agrarmärkte im 16. Jahrhundert die adlige Gutsherrschaft mit großflächigen, später zunehmend intensivierten Wirtschaftsbetrieben, häufig unter Reduzierung oder Niederlegung der ursprünglichen bereits in den Wüstungsperioden des Hochmittelalters in Mitleidenschaft gezogenen Bauerndörfer und unter Ausgestaltung der etwaige andere wirtschaftliche lnitiativen unterbindenden Leibeigenschaft.

Mit deren Aufhebung und der Einrichtung neuer Zeit- oder Erbpachthöfe im 19. Jahrhundert setzt eine teilweise Rückkehr zu bäuerlicher Agrarstruktur ein. Aber nur sehr zögernd folgt in gewissen zentral gelegenen Dörfern auch ein Ausbau anderer Wirtschaftssektoren."

Selent, der alte Kirchspielort und einziges nichtlandwirtschaftliche Dorf in dem ansonsten agraisch geprägten Raum, nimmt mit seinen Handwerksbetrieben eine etwas abweichende Entwicklung. Mit dem Bau der neuen Landstraße Preetz nach Lütjenburg im Jahre 1784 entstanden außerdem zwei Dorfkrüge, die "Blaue Lilie" 1 und der "Selenter Hof" 2. Zwischen der "Blauen Lilie" - der Ursprung des klangvollen, seltsamen Namens blieb bis heute ungeklärt - und der zum Gut Lammershagen gehörigen Selenter Mühle bestand über 100 Jahre lang eine enge Verbindung, denn der Müller war durch entsprechenden Pachtvertrag stets zugleich Krüger. Der "Selenter Hof" ist dagegen ein alter Postkrug, ursprünglich ebenfalls in Erbpacht und vom Gut Lammershagen vergeben. Seit 1862 nach dem damaligen Besitzer noch "Siegmund's Gasthof" genannt, bot sich hier viele Jahrzehnte hindurch ein Idyll um Posthorn und Pferdewechsel. Nach dem 1. Weltkrieg war der Gasthof das Zentrum des dörflichen Gesellschaftslebens mit Tanz und Theaterveranstaltungen, Variete und Stummfilmkino.

Selent war ein ruhiges, friedliches Dorf, das auch den Nachtwächter noch gekannt hat; auf seinem Rundgang stieß er bei Ablauf jeder Stunde in sein Kuhhorn und sang: "De Klock hätt elben slagen. Elben is de Klock. Vor Feuerbrunst vor Schreck und Graus beschirm, Herr, ein jeglich Haus. Die Kranken all' und Groß und Klein, die lass Dir, Herr, befohlen sein. Tut, tut, tut." 

In jener Zeit vor 140 Jahren änderte sich das Ortsbild Selents erheblich, als von 1842 bis 1855 auf dem großen Haidberg die Blomenburg entstand, zugleich das Hauptwerk romantischer Burgengotik und das einzige Bauwerk der Schinkelschule in Schleswig-Holstein. Noch immer liegt ein Schimmer von Romantik über dem seit 1927 als Landjugendheim3 genutzten Gebäudekomplex, der in strahlendem Weiß weithin über den Selenter See zu sehen ist.

Die Wirtschaftsstruktur des Ortes wurde durch die den Ort nur in einiger Entfernung "berührende", vor nahezu einem halben Jahrhundert eingestellte Kleinbahn Lütjenburg - Preetz kaum verändert; anders verhielt es sich dagegen mit dem Ausbau der Straße (Kiel-) Raisdorf - Lütjenburg und der hier 1930 eröffneten Buslinie der Reichspost.

Eine Industrieansiedlung hat es dennoch auch später nicht gegeben, so dass die reizvolle Naturlandschaft weitgehend ungestört blieb.

Seine "amtliche Geburtsurkunde" als selbständige Landgemeinde erhielt Selent durch den in Schleswig residierenden Regierungspräsidenten im Jahre 1913, als mehrere Grundstücke von über 370 ha von dem Gutsbezirk Lammershagen abgetrennt wurden. Damit war ein Jahrhunderte altes Band zwischen Gut und Dorf gelöst worden. lm Zuge der Verwaltungsmaßnahmen nach dem 2. Weltkrieg wurde der Ort noch Sitz des Amtes Selent-Schlesen und bestätigte damit seine zentrale Funktion in diesem Bereich am äußersten Nordrand der "Holsteinischen Schweiz".

1 Die „Blaue Lilie“ wurde im Jahre 1999 abgerissen und an dieser Stelle ein Edeka-Aktiv-Markt erstellt.

2 Der „Selenter Hof“ wurde 1993 grundsaniert, teilweise um- und neu aufgebaut.

3 Das Landesjugendheim wurde 1993 aufgelöst. Das Land, als Eigentümer, verkaufte die Burg mit dem dazugehörenden Areal von ca. 75 ha Park,  Wald und Ackerfläche 1997 an einen  Privatinvestor.

*) Gerd Stolz war Selenter Bürger und ist Autor verschiedener Schriften und Bücher geschichtlichen Inhaltes.

 Kalli Jipp 

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